Rückengesundheit im Betrieb
Wirbelsäulenanalyse mit mobee® spine und sportwissenschaftlicher Beratung
Der Rücken fühlt sich nach der Arbeit steif an, das Bücken fällt schwer oder Beschwerden kehren immer wieder. Was lässt sich dagegen tun? Beschäftigte wünschen sich häufig Angebote, die zu ihrer beruflichen Tätigkeit und ihren körperlichen Voraussetzungen passen. Dabei bieten sich eine Reihe von Unterstützungsangeboten in Betrieben an.
Im vorliegenden Beitrag skizzieren wir aus Anbieter-Perspektive die Einsatzmöglichkeiten einer Wirbelsäulenanalyse mittels mobee® spine in Verbindung mit persönlicher sportwissenschaftlicher Beratung.
Werden Rückenschmerzen zur Fürsorgepflicht am Arbeitsplatz gezählt?
Rückenbeschwerden haben in der Regel mehrere Ursachen, wie z.B. körperliche Überlastung, Bewegungsmangel oder muskuläre Dysbalancen. Neben diesen körperlichen Einflussfaktoren spielen häufig auch psychische und soziale Faktoren eine entscheidende Rolle. Im beruflichen Alltag kommen häufig weitere Belastungen hinzu, etwa das regelmäßige Heben und Tragen schwerer Lasten, langes Verharren in derselben Position oder fehlende Erholungsmöglichkeiten.
Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz empfiehlt deshalb, körperliche Belastungen gemeinsam mit der Arbeitsorganisation und psychosozialen Bedingungen zu betrachten (EU-OSHA, o. D.).
Für Unternehmen bedeutet das, individuelle Gesundheitsangebote mit einer Prüfung der Arbeitsbedingungen zu verbinden. Eine persönliche Beratung kann Mitarbeitende bei Fragen zu Bewegung und Training unterstützen. Ob beispielsweise Arbeitshöhen angepasst oder Hilfsmittel eingesetzt werden sollten, muss zusätzlich am jeweiligen Arbeitsplatz beurteilt werden. Diese und weitere ergonomische Anforderungen sind Teil des etablierten ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes hierzulande.
Das Vorbeugen von muskuloskelettalen Beschwerden zählt daher durchaus und zumindest teilweise zur Aufgabensphäre des Arbeitgebers. Wie sich Menschen überdies in ihrer Freizeit bewegen (oder auch nicht bewegen) und welchen weiteren Belastungsfaktoren diese ausgesetzt sind, lässt sich aus Arbeitgeber-Perspektive selbstverständlich kaum beeinflussen, jedoch durch (freiwillige) Angebote unterstützen.
Was zeigt die Wirbelsäulenanalyse?
mobee® spine erfasst über die Oberflächenkontur des Rückens die Form der Wirbelsäule in unterschiedlichen Positionen. Dafür wird ein handgeführtes Messgerät entlang des Rückens bewegt. Die Untersuchung erfolgt ohne Röntgenstrahlung. Die Software stellt die Ergebnisse grafisch dar, unter anderem als dreidimensionale Ansicht (SportMed SA, o. D.). Das heutige System mobee® spine basiert auf dem etablierten MediMouse®-Analyseansatz und erweitert ihn um moderne Sensorik, digitale Auswertung und die Einbindung in die mobee®-360-Plattform.
Je nach Messprotokoll lassen sich die Krümmungsverteilung und die Beweglichkeit einzelner Wirbelsäulenabschnitte betrachten. Beim Vergleich verschiedener Positionen wird beispielsweise erkennbar, wie Brust- und Lendenwirbelsäule zu einer Bewegung beitragen. Diese Darstellung erleichtert es, die eigene Bewegungsausführung nachzuvollziehen und Übungsempfehlungen verständlich zu erläutern, ganz im Sinne der Prävention am Arbeitsplatz.
Limitationen: Diese Messung erklärt allerdings nicht die Ursache von möglichen Rückenschmerzen. Sie bildet weder Bandscheiben noch Nerven ab und misst keine Muskelkraft. Ihre Ergebnisse werden deshalb gemeinsam mit aktuellen Beschwerden und der persönlichen Vorgeschichte eingeordnet. Bei anhaltenden oder ausgeprägten Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung erforderlich, sodass auch bewährte bildgebende Verfahren wie eine MRT-Untersuchung zum Einsatz gelangen.
Wie läuft ein Termin mit WorkPlaceHealth ab?
Unsere Sportwissenschafter*innen besprechen zunächst die beruflichen Anforderungen und möglichen Einschränkungen mit der teilnehmenden Person. Anschließend leiten sie die vorgesehenen Positionen an und führen die Messung durch. Im gemeinsamen Gespräch erläutern sie die Ergebnisse und geben Empfehlungen für Bewegung und Training. Geeignete Übungen können direkt ausprobiert und bei Bedarf angepasst werden.
Für eine Messung und die dazugehörige Beratung werden zumindest 15 bis 20 Minuten pro Person angesetzt, der genaue Umfang wird vorab vereinbart. Für die Durchführung dieses Angebots im Betrieb wird ein geschützter Bereich (insbesondere Sichtschutz) mit ausreichend Bewegungsfreiheit benötigt.
Wie kann Bewegung den Rücken unterstützen?
Bei chronischen primären Kreuzschmerzen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation unter anderem Bewegungsprogramme sowie Information und Anleitung zum Umgang mit Beschwerden. Die Unterstützung soll an die jeweilige Person angepasst sein und auch psychische sowie soziale Einflüsse berücksichtigen (WHO, 2023).
Dass kontinuierliche Bewegung helfen kann, zeigt die randomisierte WalkBack-Studie mit 701 Erwachsenen nach einer abgeklungenen Episode unspezifischer Kreuzschmerzen. Ein individuell aufgebautes Gehprogramm mit Schulung und physiotherapeutischer Begleitung verzögerte erneute, im Alltag einschränkende Beschwerden: Die mediane Zeit bis zu einem Rückfall betrug 208 Tage gegenüber 112 Tagen ohne diese Intervention (Pocovi et al., 2024). Diese Ergebnisse beziehen sich auf das begleitete Gehprogramm und belegen keine vorbeugende Wirkung der Wirbelsäulenanalyse.
Wie können Unternehmen dieses Angebot konkret einsetzen?
WorkPlaceHealth bietet dieses spezielle Angebot zur Wirbelsäulenanalyse in unterschiedlichen Kontexten an, beispielsweise im Rahmen eines Aktionstags, als Station bei Gesundheitstagen oder gezielt in längerfristigen Programmen zur Rückengesundheit.
Die Zielgruppe der Mitarbeitenden erhalten dabei ohne zusätzlichen Anfahrtsweg die persönliche und maßgeschneiderte Beratung, für Unternehmen lässt sich dieses Unterstützungsangebot durch vorab buchbare Einzeltermine mit relativ überschaubarem Aufwand planen.
An die Beratung können angeleitete Bewegungsangebote oder eine ergonomische Arbeitsplatzberatung anschließen. Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt von den Tätigkeiten und dem Bedarf der Mitarbeitenden ab.
Bedarf vorhanden und Interesse geweckt? Sobald ein möglicher Terminrahmen feststeht, besprechen wir gerne mit Ihnen den passenden Umfang. Die erforderliche Vorlaufzeit richtet sich nach der Zahl der Teilnehmenden, den Standorten und der Verfügbarkeit unserer Sportwissenschafter*innen.
Literatur
European Agency for Safety and Health at Work. (o. D.). Musculoskeletal disorders. https://osha.europa.eu/en/themes/musculoskeletal-disorders
Pocovi, N. C., Lin, C.-W. C., French, S. D., Graham, P. L., van Dongen, J. M., Latimer, J., Merom, D., Tiedemann, A., Maher, C. G., Clavisi, O., Tong, S. Y. K., & Hancock, M. J. (2024). Effectiveness and cost-effectiveness of an individualised, progressive walking and education intervention for the prevention of low back pain recurrence in Australia (WalkBack): A randomised controlled trial. The Lancet, 404(10448), 134–144. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(24)00755-4
SportMed SA. (o. D.). mobee® spine – Digitale Analyse von Wirbelsäulenbewegung und Haltung [Produktinformation]. https://www.mobee.de/de/produkte/mobee-spine/
World Health Organization. (2023). WHO guideline for non-surgical management of chronic primary low back pain in adults in primary and community care settings. https://www.who.int/publications/i/item/9789240081789
Autorin

Carmen Ott-Meissl, MSc, LL.B.
Co-Founder & Geschäftsführerin WorkPlaceHealth
Online-Profile: LinkedIn

