BGM-Trends 2026: Was sind unsere Einschätzungen?
Auf den Punkt gebracht: Unserer Meinung nach wird Betriebliches Gesundheitsmanagement 2026 zum strategischen Imperativ für Unternehmen. Angesichts steigender psychischer Belastungen, Digitalisierung und neuer EU-Standards wie CSRD prognostizieren wir heute diese folgenden Trends:
Digitalisierung und Technologieeinsatz
Digitale Technologien prägen das Betriebliche Gesundheitsmanagement zunehmend und versprechen eine datenbasierte, selektivere Steuerung benötigter Angebote statt allgemeiner Standardmaßnahmen. Dabei können KI-gestützte Analysen, Wearables und digitale Screenings helfen, gesundheitliche Risiken auf individueller Ebene frühzeitig zu erkennen und persönlich zu adressieren. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die nötigen Voraussetzungen wie DSGVO-konforme Systeme und nicht zuletzt die Akzeptanz der Zielgruppen auch ausreichend berücksichtigt werden.
Psychische Gesundheit rückt noch mehr in den Fokus
Psychische Gesundheit entwickelt sich 2026 weiterhin zum zentralen Pflichtaspekt im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Dies alleine getrieben durch steigende Fehlzeiten und eine deutliche Zunahme stressbedingter Erkrankungen. Der Fokus verlagert sich von punktuellen Angeboten hin zu evidenzbasierten, systematischen Ansätzen rund um Resilienzförderung, Burnout-Prävention und Gesundes Führen/Positive Leadership. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass diverse digitale Mental-Health-Angebote gefragt bleiben.
Arbeitszeitmodelle und Work-Life-Balance
Flexible Arbeitszeitmodelle sind auch 2026 ein „heißes Eisen“, weil sie als zentrales Merkmal zur Arbeitsgestaltung relevant bleiben, als Stellschraube für Gesundheit, Engagement und Bindung von Mitarbeitenden. Dabei sind Modelle wie die Vier-Tage-Woche, Vertrauensarbeitszeit und hybride Modelle interessant, weil sie in positive Effekte auf Wohlbefinden und Stressreduktion resultieren. Entscheidend ist nicht das Modell an sich, sondern die gesundheitsorientierte Gestaltung, die Überlastung verhindert und die vielfach benötigte Erholung „by design“ fördert.
Strategische Verankerung und ROI-orientiertes Gesundheitsmanagement
Betriebliches Gesundheitsmanagement wird dieses Jahr zunehmend als bedeutsamter Investitionsfaktor verstanden und es wird versucht, diese Stränge in die strategische Unternehmensführung sowie in die zukünftigen ESG- und Nachhaltigkeitsstrategien zu verankern. Die Gesundheit von Mitarbeitenden wird zwar weiter als Fürsorgepflicht begriffen, zugleich aber zunehmend mehrdimensional betrachtet werden, als relevanter Hebel für die arbeitsplatzbezogene Produktivität und für die Arbeitgeberattraktivität. Der Fokus eines professionellen BGM wird insgesamt mehr auf die Wirksamkeit gesetzt werden.
Verschmelzung von BGM und ESG
Die Anforderungen an das Betriebliche Gesundheitsmanagement entwickeln sich auch in Österreich schrittweise weiter. Die neuen EU-Vorgaben wie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) sowie bestehende nationale Regelungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz lenken den Fokus stärker auf strukturierte Erfassung, Dokumentation und Nachvollziehbarkeit von Gesundheits- und Belastungsthemen. Für viele Unternehmen bedeutet das weniger neue Pflichten, als vielmehr eine gestiegene Erwartung an Systematik und Transparenz in bestehenden Prozessen. Dabei können bekannte Standards und Managementsysteme wie ISO 45001 als Orientierungshilfe dienen, um letztlich die Verantwortung, Abläufe und Nachweise klar zu strukturieren und Rechtssicherheit zu erhöhen.
Fazit
Die Trends im Betrieblichen Gesundheitsmanagement werden 2026 von einer zunehmenden Professionalisierung geprägt: datenbasierte Ansätze, die systematische Berücksichtigung psychischer Gesundheit sowie eine stärkere Einbindung in die strategische Unternehmensführung und mehr. Wir bleiben jedenfalls gespannt, was das neue Jahr bereithalten wird und welche dieser Prognosen sich bestätigen werden.

